Allstedter  Thomas-Müntzer-Weg

Im November 2015 wurde der Allstedter Thomas-Müntzer-Weg feierlich eröffnet. Er stellt in Deutschland und Europa ein Unikum dar.

 

Erstmals beschäftigt sich eine touristische Route mit dem Erbe des Reformators Thomas Müntzer. Der Weg ist ein wichtiger Baustein für das Reformationsjubiläum, das 2017 unzählige Gäste von nah und fern nach Deutschland, dem Geburtsland der Reformation, locken wird. Jeder, der den Reformator Thomas Müntzer und das Reformationsgeschehen anhand des Mikrokosmos Allstedt verstehen bzw. erleben möchte, ist dazu eingeladen, diesen Weg zu beschreiten.

Der Weg verbindet vier Stationen in Allstedt, die eng mit dem Leben und Wirken des Reformators Thomas Müntzer verknüpft sind:

 

Station 1: Burg & Schloss Allstedt

Am 13. Juli 1524 hielt Müntzer in der heute noch vorhandenen Hofstube jene Predigt vor Herzog Johann dem Beständigen und dessen Sohn Johann Friedrich, die als Fürstenpredigt in die Geschichte eingegangen ist. Die Fürsten wurden von Müntzer dazu aufgefordert, mit gutem Beispiel voranzuschreiten und mit ihm den gottgewollten Weg zur Erneuerung der Christenheit zu gehen. Sofern sie diesem Weg jedoch nicht folgen würden, so werde ihnen das Schwert, das Symbol ihrer Herrschaft, genommen werden müssen.

Burg & Schloss Allstedt ist als authentische Wirkungsstätte des Reformators Thomas Müntzer ein reformationsgeschichtlicher Ort von bedeutendem Rang. Hier wurde zum 450-jährigen Bauernkriegsgedenken im Jahr 1975 eine Thomas-Müntzer-Gedenkstätte eingerichtet. Als Zeitzeugnis ist ein Teil jener in die neu konzipierte Ausstellung „1523 – Thomas Müntzer. Ein Knecht Gottes“ integriert worden. Die neue Ausstellung legt den Schwerpunkt auf Thomas Müntzers Wirken in Allstedt.

 

Station 2: St. Wigbertikirche

Seit 1522 war Simon Haferitz, ein ehemaliger Karmelitermönch, Pfarrer an der St. Wigbertikirche. Er nahm seine Pflichten für die Bewohner der Altstadt wahr. Das Patronat über diese Stelle besaß das Kloster Walkenried. Haferitz wurde ein Anhänger Müntzers und ließ sich von dessen Reformen begeistern. Nach Überlieferung soll Thomas Müntzer im Turm der Wigbertikirche gewohnt haben. Im Gedenken an Thomas Müntzer ist 1953 im Turm der Wigbertikirche die erste Thoma-Müntzer-Gedenkstätte eingerichtet worden.

 

 

Station 3: Altes Rathaus

Um 1500 erhielt Allstedt das Stadtrecht von Kurfürst Friedrich dem Weisen verliehen.Die Stadt verwaltete sich weitgehend selbstständig durch einen Rat, der im zweijährigen Wechsel gewählt wurde. Am 24. Juli 1524 wurde ein Schutz- und Trutzbündnis im Ratskeller geschlossen, nachdem Müntzer über den biblischen Bundesschluss des Königs Josia predigte. Zuvor gab es schon einen Bundesschluss, doch nun wurde der Allstedter Bund erheblich erweitert. Im Allstedter Ratskeller trugen sich Bürger und Auswärtige ins Bundesregister ein, um den „Bund der Auserwählten“ vor dem „Wüten der Tyrannen“ zu schützen.

 

Station 4: St. Johanniskirche

 

Vom März 1523 bis August 1524 war Thomas Müntzer Pfarrer der Stadtpfarrkirche St. Johannis in Allstedt. Hier sah er die Chance gekommen, eine wahrhaft christliche Gemeinde aufzubauen, wie sie in der Anfangszeit der Kirche bestand. Als erster Reformator überhaupt hielt er hier einen Gottesdienst komplett in deutscher Sprache und schuf eine Gottesdienstordnung für den Alltag (Evangelisches Kirchenamt) und die Sonn- und Feiertage (Deutsch-Evangelische-Messe).