Burg & Schloss Allstedt, Kaiserpfalz und Reformationsstätte

Kaiserpfalz

Unter dem Namen „Alstediburg“ wird die Pfalz Allstedt im Hersfelder Zehntverzeichnis Ende des 9. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnt. Nahezu alle deutschen Könige und Kaiser waren von 935 bis 1200 hier zu Gast. Reichsversammlungen, Reichstage und die am Ort besiegelten Urkunden des 10. bis 12. Jahrhunderts zeugen von der politischen Bedeutung für das Reich. Im Sachsenspiegel des Eike von Repkow, dem bedeutendsten deutschsprachigen Rechtsbuch des Mittelalters, wurde die Pfalz Allstedt unter den fünf bedeutendsten im damaligen Sachsen aufgelistet.

Romanik

Als eine der bedeutendsten Königs- und Kaiserpfalzen im damaligen Reich, bildet Burg & Schloss Allstedt eine wichtige Station an der Südroute der Straße der Romanik. Aus diesem Zeitalter hat sich bis heute ein spätromanischer Wohnturmstumpf von acht Metern Höhe und einer Mauerstärke von 1,30 Metern erhalten, der sich in der Nordostecke der heutigen Kernburg befindet. Auch der Eckturm an der Nordmauer stammt vermutlich aus der Spätromanik.

Wehrburg

Die Edelherren von Querfurt bauten die Anlage, die im 13. und 14. Jahrhundert mehrfach verpfändet wurde, zu einer Wehrburg aus. Die bis zu 3,50 Meter starken Wehrmauern der Kernburg mit ihren Schießscharten und Kugelschutzbohlen bilden ein einzigartiges Bauzeugnis der Wehrgeschichte im mitteldeutschen Raum. Die von 1460 bis 1480 erbaute Burgküche mit ihrem 20 Meter hohen Kaminschlot gehört zu den bedeutendsten und größten Burgküchen Europas.

Renaissanceschloss

Nachdem im Jahr 1496 das Geschlecht der Edelherren von Querfurt ausgestorben war, erhielt Kurfürst Friedrich der Weise die Anlage und baute sie zu einem Renaissanceschloss um. Einzigartig ist der spätmittelalterliche Palas, in dessen Erdgeschoss sich die Burgküche und die Hofstube befinden.

Reformationsstätte

Am 13. Juli 1524 hielt der Reformator Thomas Müntzer auf Burg & Schloss Allstedt vor Herzog Johann dem Beständigen und dessen Sohn Johann Friedrich seine berühmte Fürstenpredigt. Der authentische Ort dieses bedeutenden Ereignisses, die spätmittelalterliche Hofstube, ist bis heute erhalten geblieben. Müntzer predigte über das zweite Kapitel des Buches Daniel vom Niedergang der Weltreiche, dem Aufstieg der Christenheit und der Rolle, welche die Obrigkeit in jener Zeit, in der Müntzer die Apokalypse kurz bevorstehend glaubte, einzunehmen habe. Die Predigt erhielt den Titel „Auslegung des andern Unterschieds des Propheten Danielis. Die Fürsten wurden dazu aufgefordert, mit gutem Beispiel voranzugehen und mit Müntzer den gottgewollten Weg zur Erneuerung der Christenheit zu gehen. Sofern sie diesem Weg jedoch nicht folgen würden, so werde ihnen das Schwert, das Symbol ihrer Herrschaft, genommen werden müssen. Sofort wurde diese beachtenswerte Predigt gedruckt.

Seit März 1523 war Thomas Müntzer Pfarrer der Stadtpfarrkirche St. Johannis in Allstedt. Hier sah er die Chance gekommen, eine „wahrhaft“ christliche Gemeinde aufzubauen, wie sie in der Anfangszeit der Kirche bestand, und begann sofort mit diesem Werk. Als erster Reformator überhaupt, hielt er hier einen Gottesdienst komplett in deutscher Sprache und schuf eine Gottesdienstordnung für den Alltag (Evangelisches Kirchenamt) und die Sonn- und Feiertage (Deutsch-Evangelische Messe). Den Gottesdienst feierte er - nach Vorbild der urchristlichen Gemeinden - mit dem Gesicht zur Gemeinde gerichtet. Müntzers Allstedter Zeit gehörte zu den schaffensreichsten seines Lebens. Seine hier entstandenen Schriften und Drucke beeinflussten nachhaltig das Reformationsgeschehen.

Barockschloss

Ab 1691 erfolgte die Umgestaltung zur barocken Schlossanlage. In der Mitte des 18. Jahrhunderts sollte anstelle der Kernburg eine barocke Dreiflügelanlage entstehen. Im Jahre 1746 begann der Hofbaumeister Gottfried Heinrich Krohne mit der Neugestaltung der Anlage. Das Vorschloss mit dem integrierten mittelalterlichen Torturm konnte bis 1748 in vereinfachter Form fertiggestellt werden. Die Bauarbeiten wurden mit dem Tode des Bauherrn, des Herzogs Ernst August von Sachsen-Weimar-Eisenach, abrupt beendet.

Goethe

Der weltberühmte Dichter und Schriftsteller Johann Wolfgang von Goethe weilte in seiner Funktion als Staatsminister mehrfach in Allstedt und verfasste von 1776 bis 1782 drei Akte seines bedeutenden klassischen Dramas „Iphigenie auf Tauris“.

 

Historismus

Die letzten größeren Umbaumaßnahmen werden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vorgenommen. Der noch offene Wehrgang wird geschlossen und zu einem Galeriegang ausgebaut. Auf Anordnung des Großherzogs finden hierbei Teile des barocken Gestühls aus der Jenaer Michaeliskirche eine Weiterverwendung.